Lidl Schweiz hat das Ziel von 100 Prozent zertifiziertem Tee, ab 5 Prozent Volumenanteil im Produkt, im Eigenmarkensortiment erreicht. Warum ist dieser Meilenstein so wichtig und was bedeutet er für die gemeinsame Partnerschaft?
Judith Ehmann: Dieser Meilenstein ist wichtig, weil er Wandel in der Lieferkette bewirkt. Durch die Grenze ab 5 Prozent Volumenanteil stellen wir sicher, dass zertifizierte Rohstoffe flächendeckend zum Standard werden - auch dort, wo sie nur als Zutat enthalten sind. Auf dieser gemeinsamen Erfolgsbasis können wir mit viel Rückenwind an weiteren wirkungsvollen Projekten arbeiten.
Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz hinterfragen Nachhaltigkeitsversprechen heute sehr genau. Wie stellt Lidl Schweiz sicher, dass der Meilenstein beim Tee transparent bleibt?
Judith Ehmann: Wir setzen nicht auf eigene Labels, sondern arbeiten mit anerkannten, unabhängigen Organisationen wie Fairtrade, EU Bio oder der Rainforest Alliance zusammen. Diese prüfen regelmässig vor Ort, ob die strengen Anforderungen eingehalten werden.
Hinter diesem Versprechen stehen starke, unabhängige Partner, die in den Anbauländern wichtige ökologische und soziale Standards garantieren. Fairtrade setzt zum Beispiel einen starken Fokus auf die soziale und ökonomische Stärkung von Kleinbauernfamilien. Rainforest Alliance verbindet den Schutz von Ökosystemen mit wirtschaftlicher Effizienz. Und Bio setzt stark auf natürliche Kreisläufe.
Welchen Labeln wir vertrauen, entscheiden wir nicht allein: Gemeinsam mit dem WWF prüfen wir, ob Zertifizierungen ausreichend starke ökologische und soziale Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Nur solche wählen wir dann für unsere Rohstoffziele aus.
Der WWF treibt Unternehmen in Partnerschaften aktiv voran. Wo liegen aus ökologischer Sicht derzeit die grössten Hebel bei der Transformation des Teeanbaus?
Olivia Lipsky: Die grössten Hebel liegen darin, den Teeanbau naturverträglicher zu gestalten und die natürlichen Ressourcen zu schützen, von denen die Produktion abhängt. Dazu gehören der Schutz von Böden, Wasserressourcen und Biodiversität sowie die Reduktion des Einsatzes von Pestiziden und anderen Betriebsmitteln, die Mensch und Umwelt belasten können.
Ein wichtiger Ansatz sind nachhaltigere Anbaumethoden wie Agroforstsysteme, die Bäume und Sträucher in die Teeproduktion integrieren. Solche Systeme können die Artenvielfalt fördern, Böden und Wasser schützen und die Widerstandsfähigkeit der Anbauflächen gegenüber den Folgen des Klimawandels stärken.
Kritische Stimmen betonen oft, dass Zertifizierungen wie Fairtrade oder Rainforest Alliance nur ein Teil der Lösung sind. Warum ist diese 100-Prozent-Quote für den WWF dennoch eine wichtige Basis?
Olivia Lipsky: Zertifizierungen sind nicht die gesamte Lösung, aber sie sind ein wichtiger Ausgangspunkt. Sie schaffen Transparenz, definieren Umwelt- und Sozialstandards und helfen Unternehmen dabei, Verantwortung in ihren Lieferketten wahrzunehmen. Eine 100-Prozent-Zertifizierungsquote ist deshalb ein wichtiges Signal. Sie zeigt, dass sich ein Unternehmen konsequent für verantwortungsvollere Beschaffung einsetzt und bereit ist, entsprechende Anforderungen entlang der gesamten Lieferkette umzusetzen. Das ist ein bedeutender Schritt und schafft die Grundlage, um weitere Verbesserungen anzustossen.
Welche Botschaft möchtet ihr den Schweizer Kundinnen und Kunden für ihren nächsten Einkauf mit auf den Weg geben?
Zertifizierten Tee einkaufen und bewusst mit Freude geniessen: Damit schenkt ihr euch nicht nur eine kleine Auszeit im Alltag, sondern leistet einen wertvollen Beitrag für eine nachhaltigere Lieferkette.
* ab 5% Volumenanteil, extern validierte Werte Geschäftsjahr 2024



