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100% zertifizierter Kaffee bei Lidl Schweiz

Kaffee gehört zu den Schweizer Lieblingsgetränken. Pro Kopf trinken wir hierzulande rund drei Tassen täglich. Doch der Anbau birgt weltweit ökologische und soziale Risiken. Um diesen Risiken zu begegnen und die Bedingungen in den Anbauländern zu verbessern, setzt Lidl Schweiz auf die Nachhaltigkeitsstandards von Rainforest Alliance, Fairtrade und Bio. 100 Prozent des Kaffees im Eigenmarkensortiment ist zertifiziert*. Wie viel Arbeit hinter den Kulissen steckt und warum Zertifizierung erst der Anfang ist, erklären Judith Ehmann, Nachhaltigkeitsverantwortliche im Einkauf bei Lidl Schweiz, und Olivia Lipsky, Rohstoffexpertin bei WWF Schweiz.

Eine lächelnde Frau mit rotem Kopftuch erntet reife, rote Kaffeekirschen von einem Kaffeestrauch.

Lidl Schweiz hat “100 Prozent zertifizierten Kaffee” im Eigenmarkensortiment.* Das klingt ziemlich abstrakt. Was bedeutet das konkret?

Judith Ehmann: Ganz gleich für welches Eigenmarkenprodukt sich unsere Kunden und Kundinnen entscheiden - sei es die klassische Kaffeebohne, die Kaffeekapsel oder das Kaffeegetränk im Kühlregal - sie können sicher sein, dass der Kaffee zu 100 Prozent aus nachhaltigerem Anbau stammt.

Nachhaltigkeitsaussagen werden von den Schweizer Kundinnen und Kunden kritisch hinterfragt. Wie stellt Lidl Schweiz sicher, dass dieser Erfolg transparent und frei von Greenwashing-Vorwürfen bleibt?

Judith Ehmann: Wir setzen nicht auf eigene Labels, sondern arbeiten mit anerkannten, unabhängigen Organisationen wie Fairtrade oder der Rainforest Alliance zusammen. Diese prüfen regelmässig vor Ort, ob die strengen Anforderungen eingehalten werden. 

Hinter diesem Versprechen stehen starke, unabhängige Partner, die in den Anbauländern wichtige ökologische und soziale Standards garantieren. Fairtrade setzt zum Beispiel einen starken Fokus auf die soziale und ökonomische Stärkung von Kleinbauernfamilien. Rainforest Alliance verbindet den Schutz von Ökosystemen mit wirtschaftlicher Effizienz. Und Bio setzt stark auf natürliche Kreisläufe.  

Welchen Labeln wir vertrauen, entscheiden wir nicht allein: Gemeinsam mit dem WWF prüfen wir, ob Zertifizierungen ausreichend starke ökologische und soziale Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Nur solche wählen wir dann für unsere Rohstoffziele aus.

Lidl ist bekannt für Top-Qualität zum günstigen Preis. Wie nutzt Lidl Schweiz seine Grösse und seinen Einfluss, um nachhaltigen Kaffee für alle Haushalte in der Schweiz zugänglich zu machen?

Judith Ehmann: Wir sind überzeugt: Nachhaltige Produkte sollten kein Luxusgut sein. Wir schaffen es durch unsere grossen Abnahmemengen und unsere effizienten Prozesse  die Kosten zu optimieren und machen nachhaltigen Kaffee durch unser Geschäftsmodell für alle erschwinglich. So machen wir es allen Schweizer Haushalten möglich, im Alltag verantwortungsvoll einzukaufen. . 

Warum gilt Kaffee global als „risikoreicher Rohstoff“, und vor welchen spezifischen ökologischen und sozialen Herausforderungen stehen die Anbauregionen derzeit?

Olivia Lipsky: Wird Kaffee nicht nachhaltig angebaut, kann dies zur Abholzung von Wäldern, zum Verlust von Lebensräumen, zur Degradierung von Böden sowie zur Verschmutzung und Übernutzung von Wasserressourcen beitragen. Auch der Einsatz von Pestiziden kann negative Auswirkungen auf die Natur und die Gesundheit der Menschen vor Ort haben.

Gleichzeitig zählt Kaffee zu den Rohstoffen, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind. Steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster sowie die zunehmende Verbreitung von Krankheiten und Schädlingen führen zu Ernteausfällen und setzen viele Anbauregionen zunehmend unter Druck.

Hinzu kommen soziale Herausforderungen: Viele Kaffeebäuerinnen und Kaffeebauern verfügen über zu geringe Einkommen und tragen gleichzeitig die Folgen von Klima- und Umweltveränderungen. In einigen Regionen bestehen zudem Risiken im Zusammenhang mit Arbeitsrechten und menschenwürdigen Arbeitsbedingungen.

Zertifizierungen sind Teil der Lösung. Welche weiteren Lösungsansätze braucht es?

Olivia Lipsky: Zertifizierungen sind ein wichtiger Baustein, weil sie Transparenz schaffen, Risiken sichtbar machen und klare Anforderungen an Umwelt- und Sozialstandards definieren. Sie helfen Unternehmen dabei, Verantwortung in ihren Lieferketten wahrzunehmen und Fortschritte messbar zu machen.

Um die Herausforderungen im Kaffeesektor langfristig zu lösen, braucht es jedoch mehr. Entscheidend ist, dass Unternehmen wissen, woher ihr Kaffee stammt und welche Auswirkungen sein Anbau vor Ort hat. Mehr Transparenz und Rückverfolgbarkeit entlang der Lieferkette sind deshalb zentrale Voraussetzungen, um Entwaldung zu verhindern, Natur zu schützen und Menschenrechte zu respektieren. Die Verantwortung dafür darf nicht allein bei den Kaffeebäuerinnen und Kaffeebauern liegen. Die Transformation des Kaffeesektors gelingt nur, wenn alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette Verantwortung übernehmen – von Produzentinnen und Produzenten über Händler und Röstereien bis hin zum Einzelhandel.

Darüber hinaus braucht es faire wirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie wirksame politische Massnahmen zum Schutz von Wäldern, Wasserressourcen, Biodiversität und Menschenrechten. Letztlich geht es darum, Lieferketten so zu gestalten, dass sie sowohl die Natur als auch die Lebensgrundlagen der Menschen in den Anbauregionen langfristig erhalten. Nur durch dieses gemeinsame Engagement können wir die Zukunft des Kaffees nachhaltig sichern.

Was macht die strategische Partnerschaft mit Lidl so wirksam, wenn es darum geht, Veränderungen anzustossen?

Was diese Partnerschaft besonders wirksam macht, ist die Kombination aus der Fachkompetenz des WWF und der Reichweite von Lidl. Gemeinsam können wir Nachhaltigkeit dort verankern, wo sie die grösste Wirkung entfaltet: in globalen Lieferketten und im Alltag von Millionen von Konsumentinnen und Konsumenten. Lidl und WWF sind sich einig: Nachhaltigkeit darf kein Nischenangebot sein, sondern muss zur Selbstverständlichkeit werden.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist der langfristige und praxisorientierte Ansatz der Partnerschaft. Gemeinsam setzen wir nicht nur Ziele, sondern arbeiten konkret an deren Umsetzung. Dazu gehören auch transparentere Lieferketten, klar definierte Anforderungen an Rohstoffe und die Förderung verantwortungsvollerer Beschaffungspraktiken. 

Wichtig wird sein, dass Lidl Anstrengungen unternimmt, damit alle Kaffeeprodukte im Sortiment   denselben Anforderungen genügen wie der Kaffee seiner Eigenmarken.

Gemeinsam arbeiten WWF und Lidl nicht nur daran, einzelne Produkte und Lieferketten nachhaltiger zu gestalten, sondern leisten auch einen Beitrag zur Transformation des gesamten Sektorsl. Indem Impulse entlang der gesamten Wertschöpfungskette gesetzt werden,  kann Lidl  Veränderungen weit über das eigene Sortiment hinaus anstossen. 

Wenn ihr den Schweizer Kundinnen und Kunden, die bei Lidl vor dem Kaffeeregal stehen, eine Kernbotschaft mitgeben könntet: Was wäre das?

Geniesst euren Kaffee ganz bewusst! Hinter jedem Päckchen Kaffee steckt ein langer Weg und viel Arbeit. Mit dem Griff zu zertifizierten Kaffee zeigt ihr Wertschätzung für die Menschen, die ihn angebaut, geerntet und verarbeitet haben - Tasse für Tasse.


*ab 5% Volumenanteil, extern validierte Werte Geschäftsjahr 2024