Lidl Schweiz startete im Oktober eine schweizweite Kampagne unter dem Motto ‹Gönnt euch gut›. Was hat es mit diesem Motto auf sich?
Nadja Hauser: Mit dem Motto ‹Gönnt euch gut› stellen wir ganz bewusst den Genuss, die Vielfalt und die Freude am Essen in den Vordergrund – ganz ohne Verzicht oder erhobenen Zeigefinger. Wir möchten zeigen, wie einfach, schmackhaft und alltagstauglich eine bewusste Ernährung sein kann, die vergleichsweise weniger natürliche Ressourcen beansprucht. Es geht darum, sich selbst etwas Gutes zu tun und dabei auch einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu leisten.
Rund ein Drittel aller weltweiten Treibhausgasemissionen entsteht durch die Lebensmittelproduktion. Warum ist unser täglicher Teller einer der wirkungsvollsten Hebel überhaupt, wenn wir Klima und Umwelt schützen wollen?
Mariella Meyer: Wenn wir über Ernährung sprechen, die gut für Mensch und Natur ist, denken viele zuerst daran, wie Lebensmittel produziert werden. Das ist natürlich wichtig. Aber mindestens genauso entscheidend ist die Frage, was wir überhaupt essen. Ob auf dem Teller mehr pflanzliche oder mehr tierische Lebensmittel landen, hat einen enormen Einfluss auf Klima, Biodiversität, Wasserverbrauch und Flächenbedarf. Deshalb ist unsere Ernährung einer der wirksamsten Hebel überhaupt. Die gute Nachricht: Man muss dafür nicht perfekt sein. Schon wenn wir öfter zu Bohnen, Linsen, Nüssen oder Gemüse greifen, können wir einen positiven Unterschied machen.
Lidl Schweiz und der WWF ziehen seit bald zehn Jahre an einem Strang. Was zeichnet eure Zusammenarbeit aus, wenn es darum geht, bewusste Ernährung für alle zugänglich zu machen?
Mariella Meyer: Wir verfolgen ein gemeinsames Ziel: gesunde und ressourcenschonende Ernährung für möglichst viele Menschen einfacher zu machen. Der WWF bringt wissenschaftliche Expertise ein, Lidl die Nähe zum Alltag der Konsumentinnen und Konsumenten. Gemeinsam können wir Menschen dort erreichen, wo Ernährungsentscheidungen tatsächlich fallen: beim Einkaufen. Dabei setzen wir bewusst nicht auf Verbote oder Verzicht, sondern auf Inspiration, Genuss und praktische Lösungen. Genau das macht die Zusammenarbeit aus unserer Sicht so wertvoll.
Nadja Hauser: Dank unseres dichten Filialnetzes mit über 195 Standorten und unserem gewohnt starken Preis-Leistungs-Verhältnis können wir eine gesunde und bewusste Ernährung für breite Bevölkerungsschichten in der ganzen Schweiz erschwinglich und unkompliziert zugänglich machen.
Ein Kernbegriff der Kampagne ist die ‹Planetary Health Diet›. Das klingt im ersten Moment nach Wissenschaft. Was steckt konkret dahinter und warum tut dieser Ernährungsempfehlung sowohl unserem Körper als auch der Erde gut?
Mariella Meyer: Tatsächlich steckt viel Wissenschaft dahinter. Die Planetary Health Diet wurde von der EAT-Lancet-Kommission entwickelt, einem internationalen Zusammenschluss von Expertinnen und Experten aus Bereichen wie Ernährung, Medizin, Landwirtschaft und Umweltwissenschaften. Die zentrale Frage war: Wie können wir künftig eine wachsende Weltbevölkerung gesund ernähren, ohne die ökologischen Grenzen unseres Planeten zu überschreiten? Die Antwort ist eigentlich erstaunlich einfach: mehr Gemüse, Früchte, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Nüsse, dafür weniger tierische Produkte. Eine solche Ernährung ist mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden und benötigt gleichzeitig deutlich weniger natürliche Ressourcen.
Wie übersetzt Lidl Schweiz dieses wissenschaftliche Konzept ganz konkret in die Filialen und macht es für seine Kundschaft verständlich?
Nadja Hauser: Wir bei Lidl Schweiz übersetzen diese wissenschaftliche Formel in praktische Inspiration für den Einkaufskorb. In unseren Filialen rücken wir genau diese pflanzlichen Proteine und Zutaten wie Linsen, Kichererbsen, Nüsse und frisches Gemüse in den Fokus. Mit attraktiven Angeboten und einfachen Rezeptideen zeigen wir auf, wie mühelos sich dieses Konzept im Alltag umsetzen lässt.
Was macht schon eine kleine Anpassung im Alltag aus?
Mariella Meyer: Sehr viel. Beim Thema Ernährung wird oft in Extremen gedacht: entweder Fleisch jeden Tag oder vegan. Dabei liegt die grösste Wirkung meistens genau dazwischen. Es geht nicht darum, einer bestimmten Ernährungsform zu entsprechen, sondern neugierig zu bleiben und Schritt für Schritt Neues auszuprobieren. Vielleicht ersetzt man einmal pro Woche ein Fleischgericht durch ein Linsencurry, entdeckt einen feinen Bohnenburger oder greift häufiger zu Nüssen und Hülsenfrüchten.
Wir müssen nicht alles auf einmal verändern. Viele kleine Schritte sind oft nachhaltiger als eine radikale Umstellung. Und sie können überraschend viel Freude machen. Denn wer neue Gerichte und Zutaten entdeckt, gewinnt häufig nicht nur etwas für Klima und Umwelt, sondern auch für den eigenen Speiseplan.
Zum Schluss: Welches ist euer absolutes Lieblingsgericht, das fein ist, ruckzuck zubereitet ist und perfekt zur Planetary Health Diet passt?
Nadja Hauser: Ein Gericht, das bisher alle überzeugt hat, ist eine klassische Linsen-Bolognese mit Pasta! Sie schmeckt wunderbar und lässt sich schnell zubereiten. Und als einfacher Tipp für den Alltag: Man muss gar nicht immer das ganze Rezept neu erfinden. Wer zum Beispiel seine Lieblingspasta kocht, kann am Schluss einfach noch eine Handvoll Kichererbsen oder Bohnen aus der Dose dazugeben. Das ist super unkompliziert und verleiht dem Gericht im Handumdrehen einen Extra-Kick an Proteinen, Ballaststoffen und Mikronährstoffen.
Mariella Meyer: Eindeutig die «Marry Me Beans»: Zwiebeln, Knoblauch, getrocknete Tomaten und Tomatenmark anbraten, mit Brühe und Sojarahm zu einer cremigen Sauce verbinden und Riesenbohnen sowie frischen Spinat hinzufügen. Mit etwas (pflanzlichem) Parmesan abrunden – einfach, sättigend und unglaublich fein.
.jpg&w=3840&q=87)


