Wie ist die Idee zu Nature Code entstanden und was hat euch an bisherigen Naturlehrpfaden gefehlt?
Klassische Naturlehrpfade funktionieren meist nach demselben Prinzip: Man geht von Tafel zu Tafel und liest Informationen. Das ist durchaus sinnvoll, aber oft wenig überraschend.
Mich hat interessiert, wie wir die Möglichkeiten der digitalen Welt nutzen können, um die reale Welt bewusster wahrzunehmen. Mit Nature Code wollten wir deshalb mehr als nur Wissen vermitteln. Wir wollten die Menschen zum Entdecken, Mitdenken und Mitmachen bringen. Das Smartphone ist dabei nicht Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, das den Blick auf die Natur erweitert.
Wie sorgt ihr dafür, dass die Inhalte draussen richtig Spass machen und nicht wie Schulunterricht wirken?
Indem wir die Neugier wecken und nicht einfach Schulwissen abfragen. An jeder Station gibt es Überraschendes zu erfahren und Fragen, bei denen man überlegen, kombinieren oder auch mal raten muss.
Man kann sich selbst herausfordern, Punkte sammeln und am Ende sehen, wie man abgeschnitten hat. Dieser spielerische Wettbewerb macht Spass. Und ganz nebenbei bleibt Wissen hängen, weil man es selbst herausgefunden hat.
Wie gelingt der Spagat zwischen Jung und Alt? Wie holt ihr Kinder genauso ab wie erfahrene Naturinteressierte?
Alle beschäftigen sich mit demselben Thema, aber auf unterschiedlichen Ebenen. Dafür gibt es drei Schwierigkeitsstufen – für Kinder und Familien, Naturinteressierte und Naturprofis – diese Stufe verlangt allerdings schon einiges an Vorwissen.
So können Familien gemeinsam unterwegs sein und trotzdem hat jeder seine eigene Herausforderung. Besonders schön finde ich, wenn Kinder plötzlich etwas wissen, das ihre Eltern nicht wissen.
Ihr habt gerade den allerersten Lehrpfad aufgebaut. Wo befindet sich dieser und was erwartet die Besucher dort?
Unser erster Trail führt durch den Botanischen Garten der Universität Zürich. An sechs Stationen dreht sich alles um Heilpflanzen der Schweiz – ihre Wirkstoffe, ihre Verwendung und erstaunliche Zusammenhänge.
Der Rundgang dauert etwa 40 bis 60 Minuten, ist kostenlos und funktioniert direkt auf dem Smartphone, ohne App oder Anmeldung. Das Spannende daran: Die Pflanzen stehen unmittelbar vor einem. Man kann sie anschauen, vergleichen und gleichzeitig mehr über sie erfahren. Zudem ist der Botanische Garten ein wunderbarer Ort, um mit den verschiedensten Pflanzen Zeit zu verbringen.

Für die Umsetzung braucht es starke Partner wie Lidl Schweiz. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande – und wie geht es jetzt weiter?
Eine gute Idee zu haben ist das eine, sie professionell umzusetzen das andere. Mit Lidl Schweiz haben wir einen Initialpartner gefunden, der auf unser Konzept neugierig geworden ist und die Entwicklung massgeblich ermöglicht hat.
Jetzt steht die Plattform und der erste Trail wurde Ende September eröffnet. Weitere Standorte sind bereits in Vorbereitung. Wir möchten Nature Code gemeinsam mit Gemeinden, Naturparks und weiteren Partnern an möglichst vielen Orten in der Schweiz zugänglich machen.
Wenn wir drei Jahre in die Zukunft blicken: Wie sieht der ideale Lehrpfad von Nature Code aus, und was wünscht ihr euch, dass die Menschen nach einem Spaziergang mit nach Hause nehmen?
Ich wünsche mir, dass man Nature Code künftig an ganz unterschiedlichen Orten antrifft – im Stadtpark, am Flussufer, im Wald oder mitten in der Stadt. Überall gibt es etwas zu entdecken, das wir im Alltag oft übersehen.
Mir geht es dabei nicht darum, dass die Menschen noch mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen. Im Gegenteil: Wir nutzen die digitale Welt, um die reale Welt mit anderen Augen zu sehen.
Wenn jemand nach einer Stunde sagt: «Das habe ich gar nicht gewusst!» und beim nächsten Spaziergang plötzlich Dinge wahrnimmt, an denen er früher achtlos vorbeigegangen ist, dann haben wir unser Ziel erreicht.





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