Ressourcen schonen

Rohstoff statt Abfall.

Seit Januar 2025 baut RecyPac einen schweizweiten Kreislauf für Plastikverpackungen und Getränkekartons auf. Der nicht gewinnorientierte Verein zählt über 45 Mitglieder aus Produktion, Handel, Gemeinden und Verwertung. Gesammelt wird mit dem RecyBag. Das Ziel: mindestens 55 % Verwertung bei Plastikverpackungen und 70 % bei Getränkekartons.

RecyBag

Vom RecyBag zurück ins Regal.

Was im RecyBag landet, ist kein Abfall, sondern ein möglicher Wertstoff. Wir zeigen, wie dank RecyPac aus leeren Plastikverpackungen und Getränkekartons wieder neues Material entstehen kann.


1. Gut verpackt beginnt früher
Die Verpackung macht den Start. Sie soll wenig Material brauchen und gut recycelbar sein.

2. Sammeln statt wegwerfen
Leere Plastikverpackungen und Getränkekartons kommen in den RecyBag. So werden kostbare Wertstoffe nicht entsorgt, sondern bleiben im Kreislauf.

3. Abgeben in der Nähe
Volle RecyBags können an Sammelstellen im Detailhandel, bei Gemeinden oder in Recycling-Volle RecyBags können an Sammelstellen im Detailhandel, bei Gemeinden oder in Recyclingcentern zurückgegeben werden.

4. Sortieren nach Material
In Sortieranlagen wird der Inhalt getrennt. Denn Plastik ist nicht gleich Plastik! Fremdstoffe und nicht recycelbare Reste werden aussortiert. 

5. Aufbereiten zu neuen Wertstoffen
Das Material wird weiterverarbeitet: Kunststoff wird zu Granulat, Getränkekartons zu wiederverwertbaren Fasern.

6. Zurück in den Kreislauf
Aus zurückgewonnenen Wertstoffen entstehen neue Produkte und Verpackungen. So wird aus Gebrauchtem wieder Brauchbares – und der Verbrauch neuer Rohstoffe sinkt.

RecyBag Visual

Hinter dem lila RecyBag Rolle steckt noch viel mehr.

Odile Inauen, Geschäftsführerin von RecyPac, und Daniel Stolz, Department Manager Logistics bei Lidl Schweiz und Vorstandsmitglied von RecyPac, zeigen, was es hinter den Kulissen braucht: von einfachen Sammellösungen und funktionierender Logistik bis zur Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.


Dani, du bist Vorstandsmitglied bei RecyPag. Warum engagiert sich Lidl Schweiz da dabei? 

Die Ziele von Lidl Schweiz sind klar: Wir wollen die Recyclingfähigkeit unserer Eigenmarkenverpackungen maximieren und den Rezyklatanteil auf 25 Prozent steigern. Genau hier kommt RecyPac ins Spiel. Mit dem RecyBag haben wir das passende Werkzeug gefunden, um Wertstoffe zu sammeln und dem weiteren Recyclingprozess zuzuführen.


Wie funktioniert der Ablauf? 

Das System ist denkbar einfach: Man füllt den RecyBag zuhause mit den entsprechenden Wertstoffen und bringt ihn zur nächstgelegenen Sammelstelle zurück. Von dort aus geht es weiter in die Sortierung und Verwertung, bis die Inhalte wieder eingesetzt werden können.


Viele Menschen möchten verantwortungsvoll handeln. Nachhaltigkeit darf aber den Alltag nicht unnötig kompliziert machen. Wie hilft Lidl Schweiz das zu vereinfachen? 

Mit dem Einstieg in die direkte Rücknahme der RecyBags möchten wir unseren Kundinnen und Kunden das Recycling so einfach wie möglich machen. Sie kommen sowieso zum Einkaufen in die Filiale. So entfällt der zusätzliche Weg zum nächsten Recyclinghof.


Den RecyBag zu verkaufen ist das eine. In ausgewählten Filialen auch eine Rückgabe zu testen, ist nochmals ein anderer Schritt. Was sind die grössten Herausforderungen bei diesem Test? 

Das Pilotprojekt hat die Herausforderungen sehr klar aufgezeigt. Eine davon ist die Sensibilisierung und Kommunikation gegenüber der Kundschaft. Wir haben zum Beispiel die Erfahrung gemacht, dass die RecyBag-Sammlung teilweise mit einer Altkleidersammlung verwechselt wurde. Hier müssen wir noch klarer kommunizieren.

Eine weitere Herausforderung liegt in der Logistik, im Handling und im Aufwand mit den vollen RecyBags. Es handelt sich um eine sehr voluminöse Fraktion, die unsere Logistikprozesse an Grenzen bringen kann. Das betrifft insbesondere die Rückwärtslogistik, also den Weg zurück ins Lager, wo die Kapazitäten knapp werden können.


Was braucht es intern, damit so eine Lösung funktioniert – in der Filiale, in der Logistik und im Zusammenspiel mit Partnern? 

Letztlich braucht es einfache und klare Prozesse sowie ein gewisses Verständnis für Kreislaufwirtschaft. Für die Mitarbeitenden in den Filialen, die LKW-Fahrerinnen und -Fahrer sowie die Lagermitarbeitenden bedeutet die Sammlung einen zusätzlichen Handlungsaufwand, den sie neben ihrer täglichen Arbeit leisten.

Ausserdem braucht es eine offene und transparente Kommunikation und Zusammenarbeit mit Dienstleistern. Die Einführung einer neuen Sammelfraktion bedeutet automatisch, neue Lösungen und Konzepte zu entwickeln und laufend weiterzuentwickeln. Genau dafür ist die enge Zusammenarbeit entscheidend.

 

Wo siehst du die nächsten Meilensteine und was ist eure Vision für die Zukunft? 

Der Pilot zeigt, dass die Kundschaft das Angebot annimmt. Er zeigt aber auch, dass es noch Potenzial bei der Aufklärung und in der Sammellogistik gibt. Das Ziel von Lidl Schweiz bleibt, unseren Kundinnen und Kunden künftig ein noch breiteres Sammelnetz anbieten zu können.

 

Odile, Dani meinte es braucht mehr als nur einen Abfallsack im Regal damit die Kreislaufwirtschaft etwas besser wird. Was braucht es deiner Meinung nach? 

Der RecyBag ist der erste Schritt, damit Verpackungen überhaupt die Chance haben, sortiert und verwertet zu werden. Es braucht aber deutlich mehr: zum Beispiel ein klares Design, damit Verpackungen recyclingfähig sind. Es braucht Investitionen in Sortier- und Verwertungsanlagen, regulatorische Rahmenbedingungen, Transparenz und Qualitätskontrollen. Und es braucht eine enge Zusammenarbeit aller Akteurinnen und Akteure entlang der Wertschöpfungskette.


Welche Rolle übernimmt RecyPac dabei, dass aus den vielen einzelnen Lösungen eine Gesamtlösung wird?

RecyPac ist die schweizweite Branchenorganisation. Unsere Hauptrolle ist es, alle Akteurinnen und Akteure im Kreislauf zu koordinieren – von Produzentinnen und Produzenten über Marken und Händler bis hin zu den Gemeinden.

Wir haben zudem die Ambition, in der Schweiz eine einheitliche und flächendeckende Sammlung anzubieten: mit einem Sack und einem Preis. So können wir sensibilisieren und gemeinsam mit den Marken Recyclingshinweise auf den Verpackungen anbringen.


Warum braucht es überhaupt eines Gesamtlösung für Plastikverpackungen und Getränkekartons? Wäre es einzeln nicht einfacher? 

Aus technischer Sicht ist es sehr gut machbar: Die Sortieranlagen können Plastikverpackungen und Getränkekartons voneinander trennen. Und auch zuhause können beide Materialien am selben Ort gesammelt werden.

Genau das möchten wir erreichen: den Menschen zuhause eine möglichst bequeme Lösung bieten. Deshalb sammeln wir beides im RecyBag und sortieren es anschliessend.


Die Schweizer Bevölkerung ist stark beim Sammeln von PET, Glas und Alu. Warum hat es ausgerechnet bei Plastikverpackungen so lange gedauert? 

Inzwischen gab es Investitionen in moderne Sortier- und Verwertungsanlagen, und auch politisch hat ein Umdenken stattgefunden. Kunststoffverpackungen waren lange Teil des Siedlungsabfallmonopols und damit in den Händen der Gemeinden. Mit der neuen Verpackungsverordnung auf Bundesebene kann RecyPac ab Januar 2027 schweizweit flächendeckend und einheitlich sammeln.