Obwohl Moore seit fast 40 Jahren unter Schutz stehen, wirken die Folgen früherer Eingriffe bis heute nach. Die Artenvielfalt geht zurück, der Torfabbau beschleunigt sich und gespeichertes CO₂ gelangt in die Atmosphäre. Was über Tausende von Jahren entstanden ist, kann innerhalb von kürzester Zeit zerstört werden. Ein Verlust für Mensch, Tier, Klima und Umwelt.
Heute machen Schweizer Moore nur noch etwa 0.6 %** der Landesfläche aus. Ihre Renaturierung benötigt viele Jahre. Umso wichtiger ist der Schutz der bestehenden Moorlandschaften. Da setzt der WWF Schweiz an: Bewusstsein für die Bedeutung dieser Ökosysteme schaffen, politische Rahmenbedingungen verbessern und bei der Revitalisierung aktiv anpacken.
Auch für uns ist der Erhalt von Feuchtgebieten wichtig. Denn selbst gut abgesicherte Lieferkettengeraten ins Wanken, wenn Ökosysteme kippen. Die Unterstützung des WWF-Moorschutzprojekts von 2023 bis 2025 durch Lidl Schweiz ist deshalb mehr als ein finanzieller Beitrag. Sie ist ein Beitrag zu den vielfältigen Leistungen dieser Naturhelden: zum Klimaschutz, zur Artenvielfalt und zur Schönheit unseres Landes.
* Gemäss NABU.de
** Gemäss BAFU (bafu.admin.ch/de/moore)
Warum Moore Zeit brauchen.
Sie wachsen langsam, speichern viel und leisten mehr, als man ihnen auf den ersten Blick zutraut: Moore sind stille Naturgiganten. Monja Berchtold, Junior Manager CSR bei Lidl Schweiz, spricht im Interview mit Urs Handschin, Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim WWF Schweiz, darüber, warum Moore so wichtig für das Schweizer Ökosystem sind – und wie wir alle zu ihrem Erhalt beitragen können.
Monja, warum gelten Moore als Superhelden im Klimaschutz? Moore sind eine der effizientesten Kohlenstoffspeicher unseres Planeten. Obwohl sie weltweit nur etwa 3 % der Landfläche ausmachen, speichern sie doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen. Wird ein Moor entwässert, kommt der Torf mit Sauerstoff in Berührung und der über Jahrtausende gespeicherte Kohlenstoff entweicht als CO₂ in die Atmosphäre. Intakte Moore sind deshalb essenziell für einen wirksamen Klimaschutz.

Moorböden sind wahre Wasserfilter: Bei Starkregen saugen sie Wasser auf und ansässige Lebeweisen reinigen es natürlich.
Welche Rolle spielen Moore bei der Trinkwasserversorgung? Man kann sich Moorböden wie einen riesigen natürlichen Schwamm vorstellen. Bei Starkregen saugen sie Wasser auf und halten es zurück, was vor Hochwasser schützt. Danach geben sie es langsam und gleichmäßig wieder ab – zum Beispiel an eine Trinkwasserquelle. Weil das Wasser lange im Boden verbleibt, haben dort ansässige Lebewesen viel Zeit, es natürlich zu reinigen. Moore sind also kostenlose Wasserfilter.
Neben Klimaschutz und Trinkwasser: Welche weiteren Leistungen erbringen Moore für Natur und Mensch? Neben Kohlenstoffspeicherung, Hochwasserschutz und Trinkwasserversorgung kann man Moore als Klimaanlagen der Landschaft bezeichnen: Durch die Verdunstung von Wasser kühlen sie die Umgebung und tragen zu regionalen Niederschlägen bei. Für Menschen sind sie schöne Erholungsräume. Gleichzeitig bieten sie Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
Urs, welche Moorarten gibt es in der Schweiz? Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Flachmooren und Hochmooren. Daneben gibt es Ausprägungen wie Quell-, Hang- oder Verlandungsmoore und so weiter. Auch klimatische und geologische Bedingungen spielen eine wichtige Rolle. Jede Moorart zeichnet sich durch besondere Wasserverhältnisse sowie eine charakteristische Tier- und Pflanzenwelt aus.
Wie unterscheiden sich Hochmoore von Flachmooren? Flachmoore entstehen auf nassen Böden, zum Beispiel in Senken oder dort, wo Hangwasser austritt. Sie sind vom Grundwasser abhängig und werden landwirtschaftlich bewirtschaftet, also beweidet oder einmal jährlich gemäht. Wird das nicht mehr gemacht, besteht die Gefahr der Verbuschung.
Hochmoore entstehen aus Flachmooren. Dabei wächst das Torfmoos, die typische Hochmoorpflanze, mit der Zeit nach oben. Deshalb liegen Hochmoore oft etwas höher als die Umgebung und werden nur noch von Regenwasser gespeist. Dadurch sind sie sehr nährstoffarm.

Moore stehen seit fast 40 Jahren unter Schutz. Sie sind Heimat für einzigartige Tierarten und starke Kohlenstoffspeicher.
Wie lange dauert es, bis sich ein Moor gebildet hat? Ein Moor wächst im Schneckentempo. Sterben Pflanzenteile im nassen Boden unter Sauerstoffmangel ab, entsteht Torf. Für einen einzigen Meter Moor braucht die Natur rund 1’000 Jahre. Die Moore in der Schweiz haben sich nach der letzten Eiszeit gebildet und sind teilweise bis zu 9 Meter dick.
Wie stark gingen die Moore in der Schweiz zurück? Vor rund 200 Jahren waren Moore und andere Feuchtgebiete noch weit verbreitet und bedeckten etwa 6 % der Landesfläche. Heute sind rund 90 % dieser Lebensräume verschwunden. Damit gehören Moore zu den am stärksten bedrohten Ökosystemen der Schweiz.
Urs, Moore stehen in der Schweiz seit fast 40 Jahren unter Schutz. Warum müssen sie trotzdem noch renaturiert werden? Moore stehen seit der Rothenthurm-Initiative unter Schutz. Doch der Schutz auf dem Papier reicht nicht aus und viele frühere Eingriffe wirken bis heute nach. Alte Entwässerungsgräben entziehen den Mooren permanent Wasser. Renaturierung bedeutet deshalb vor allem «Wiedervernässung»: Das Wasser als Lebenselixier des Moors muss wieder im Gebiet gehalten werden.
Dafür werden künstliche Gräben blockiert und Bäume entfernt, die das Moor austrocknen. Viele Moore müssen aktiv wiederhergestellt und aufgewertet werden, damit sie ihre Funktion für Klima, Biodiversität und Wasserhaushalt wieder erfüllen können.
Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf Schweizer Moorlandschaften? Der Klimawandel bringt längere Trockenphasen und Hitze. Das gefährdet Moore, da sie konstant Nässe benötigen. Lange und heisse Sommerperioden können sie oberflächlich austrocknen, den Torfabbau beschleunigen und den CO₂-Ausstoss zusätzlich befeuern. Die Sicherung des Wasserhaushalts durch Renaturierung ist deshalb der wichtigste Schutz.

Wie lassen sich degradierte Moore wiederherstellen und wie lange dauert es? Um ein beeinträchtigtes Moor zu revitalisieren, werden vor allem der Wasserhaushalt und die moortypische Vegetation wiederhergestellt. Dazu gehören das Entfernen von Bäumen und Sträuchern, das Schliessen von Gräben, eine angepasste Bewirtschaftung und ausreichend grosse Pufferzonen.
Da Moore über Jahrtausende entstanden sind und nur sehr langsam wachsen, ist ihre Wiederherstellung anspruchsvoll und zeitintensiv. Ist ein Moor stark beeinträchtigt oder zerstört, lässt es sich kaum mehr in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Umso wichtiger ist es, bestehende Moorflächen zu schützen und gezielt aufzuwerten.
Wie setzt sich der WWF zum Schutz der Moore ein? Der WWF arbeitet mit Kantonen, Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern, Landwirtinnen und Landwirten sowie weiteren Partnerinnen und Partnern zusammen. Ziel ist es, politische Rahmenbedingungen zu verbessern, das Bewusstsein für die Bedeutung der Moore zu stärken, Revitalisierungen anzustossen und diese auch selbst umzusetzen. Gemeinsam werden Entwässerungsgräben geschlossen, Moorflächen entbuscht und gepflegt, invasive Arten entfernt und vieles mehr.
Monja, was können wir alle für den Schutz von Mooren und Feuchtgebieten in der Schweiz und weltweit tun? Ein wichtiger Hebel im Alltag ist der Garten: In manchen Gegenden, etwa in Osteuropa, Skandinavien oder Deutschland, wird für Pflanzenerde oder die Jungpflanzenproduktion weiterhin Torf abgebaut. Deshalb sollte man beim Kauf von Pflanzenerde und Pflanzen auf torffreie Produkte achten. Je weniger Torfprodukte gekauft werden, desto weniger lukrativ wird der Abbau.
In der Schweiz ist der Abbau von Torf verboten, aber es wird immer noch viel davon importiert. Jede und jeder kann zum Schutz der Moore beitragen, indem man beim Wandern auf den Wegen bleibt, keine Abfälle liegen lässt, Schutzprojekte unterstützt oder selbst aktiv bei einem WWF-Mooreinsatz mithilft.
Warum unterstützte Lidl Schweiz das Moorschutzprojekt des WWF? Die Nahrungsproduktion ist direkt vom Klimawandel betroffen – etwa durch Ernteausfälle, Dürren oder Starkregen. Selbst perfekt abgesicherte Lieferketten können ins Wanken geraten, wenn Ökosysteme kippen. Deshalb ist es wichtig, auch Ökosysteme wie Moore zu erhalten.
Durch die finanzielle Unterstützung leisten wir einen Beitrag zum Erhalt vielfältiger Ökosystemleistungen, etwa Klimaschutz, Erholungsraum oder Biodiversität.



